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smoe sagt tschüss…
… und Danke an Euch Menschen im Theater, die Ihr mich beim Proben und Spielen, im Gelingen und in Krisen, bei Eurer alltäglichen Arbeit ganz nah habt dabei sein lassen. So viel Vertrauen macht das Schnüffeln hinter den Kulissen leicht!
Bei meinem zweijährigen Rundgang durchs Haus ist dadurch vielleicht sogar ein kleines (und immer noch unvollständiges) „Kompendium“ übers Theatermachen für jüngere Leute entstanden. Hoffentlich findet manche und mancher mit dem Traumberuf Theater beim Zurückblättern in den blogs etwas Interessantes, das die Handbücher verschweigen. Und hoffentlich glaubt niemand, die Tagebuchnotizen würden das Geheimnis lüften, wie aus Theatermachen Theater entsteht. Bei allem Hingucken auf die Praxis bleibt für mich ein unerklärlicher, faszinierender Rest.
Ich mache jetzt endlich Platz für die Praktiker und Zuschauer aus den Clubs und Schulen, damit sie hier ihre eigenen Entdeckungen auf ihrer Bühne diskutieren können.
Ins Theater, an die Tasten – und Kutter ahoi!
„Soachtungbitte“: Paul Kuhn!
Einmal habe ich Matthias Kuhn böse auf die Füße getreten. Da dachte ich noch, er sei der Busfahrer und rief ihn auch so… Dabei nennen ihn hier alle nicht umsonst Paul. Nach Paul Kuhn, dem swingenden Musiker am Flügel, dem Star und Entertainer – wie Matthias eben einer ist. Den Leipziger Schlagerfans bleibt er als Travestie Paula unvergessen, denn von 1988 bis 2006 war seine Schöpfung Paula der Renner auf den Karnevalsfeiern und Firmenfesten der Region. Diese 18 Jahre mit Schminke und Kostüm im Rampenlicht sind nicht aus ihm rauszukriegen. Sogar seine Zigaretten lässt Paul noch auftreten, wenn er mit gespreizten Fingern elegante hunderter Längen aus der Schachtel zieht und die runde Glatze dazu noch mal so schnieke glänzt. Wie so einer ans TdJW kommt? Paul ist hier die Institution.
Die mit der Kunst flüstert, II
„Trotz der großen Bedeutung dieser Position für den erfolgreichen Verlauf einer Vorstellung gibt es keinen eigenen Ausbildungsgang für Inspizienten.“
- Susann Fiedler bei “Ikar – zu Wasser, zu Lande, in der Luft (Das Labyrinth)”
Susann Fiedler wollte als Kind einmal Tänzerin werden. Dass das „wegen zu krummer Arme“ nicht klappte, scheint sie nicht zu betrauern. Auch Schauspielerei reizt sie nicht besonders. Die vielen Proben und das Sich-darstellen-müssen schon am frühen Morgen schrecken sie eher ab, gesteht sie grinsend. Wie kommt eine Wettkampfsportlerin, die nie vom Theater träumte, ausgerechnet zur Inspizienz? „Ich kann mich nicht erinnern, als Kind ins Theater gegangen zu sein, ich hatte überhaupt keinen Zugang. Es war Zufall, hier zu landen, wie bei meiner ersten Ausbildung. Der Job hat mich ausgesucht.“ Den ganzen Beitrag lesen »
Die mit der Kunst flüstert, I
Vom Schnürboden rast eine bedruckte Fahne herab, direkt vor die Nase des Schauspielers. „Frau Fiedler, so geht das nicht!“ näselt Roland Klein und schaut dabei strafend zum Fenster hoch über der Tribüne. Die Fahne fährt wieder hoch, viel zu hoch, und wieder runter, zu tief und viel zu abrupt, sie gelangt jedenfalls nie in exakt die Position, die dem Kanzler und Zeremonienmeister barocker Ritterspiele genehm ist. Noch einiges mehr geht schief bei dieser Höfischen Probe während der „Drache-“ Vorstellung. Die lustige Episode erinnert stark ans richtige Theaterleben: Wenn Technik und Requisiten nicht funktionieren wie sie sollen, wird nach der allzuständigen „Frau Fiedler“ gerufen.
Die Rede ist von der Inspizientin. Susann Fiedler, eine junge, ausnehmend hübsche Erscheinung, agiert üblicherweise im Dunkeln. Am TdJW tritt sie bisweilen in ihrer Hauptrolle auf, etwa im „Ikar“, das erst beginnt, wenn Susann an ihrem Pult vor der Bühne Platz genommen hat, wo man sie während des gesamten Stücks ununterbrochen beim Flüstern und Schalten beobachten kann. Oder eben im „Drachen“, wo man sie leider nicht sieht und sie sich gerne vom Kollegen hochnehmen lässt. Alle im Haus wissen: Mit ihr steht und fällt das Stück, denn (so ein Fachblatt) der „Inspizient ist als Bindeglied zwischen Kunst und Technik für den organisatorischen Ablauf einer Vorstellung verantwortlich“. Den ganzen Beitrag lesen »
Große Oper über die Ufer: Der Drache, die Riesin und das dicke dreizehnte Königskind
Wir sind reingelegt worden! Der Drachentalk vor gut einer Woche führte nämlich auf die ganz falsche Fährte. Ich hatte den Experten tatsächlich geglaubt, dass der letzte überlebende Drache mit Kandis zu fangen wäre. Aber in der Premiere von „Der Drache, die Riesin und das dicke dreizehnte Königskind“ entpuppte sich diese Anwendung als Flop. Stattdessen tut das Mädchen etwas völlig Unerwartetes, um das rote Ungetüm in einen (unwilligen) Menschen zurück zu verwandeln. Was, verrate ich hier wieder nicht. Dafür einige Eindrücke aus dem Theater…
Von hinten: Einen derart donnernden und anhaltenden Applaus mit Trampeln, Pfeifen, Jubeln hat es im Haus wohl sehr lange nicht gegeben. Der ausverkaufte Saal will die Schauspieler nicht gehen lassen. Sonja Abril Romero, Anke Stoppa, Sven Reese, Lukas Kubik, Detlef Vitzthum, Chris Lopatta, Martina Krompholz, Gösta Bornschein, Roland Klein verwandeln ihre (oft mehrere) Rollen sämtlich in liebenswerte Figuren, die, seien sie noch so märchenhaft, uns im Alltag über den Weg laufen könnten. Auch den Drachen und erst recht die Riesin, möchte man schnell zu Freunden haben. Ein wenig gehemmt wirken die meisten Darsteller allerdings noch… Den ganzen Beitrag lesen »
Expertentalk der Drachennacht lüftet nicht jedes Geheimnis
Als die 50 Luftballons mit Kindern dran sowie die aus den Proben herbeigeeilten Schauspieler in der Drachenzentrale endlich Platz genommen haben, stellen die beiden Moderatorinnen Romy Kuhn und Katharina de Vette ihre Gäste vor. In der Runde warten der Hausexperte zum letzten überlebenden Drachen (Matthias Schiffner), ein fieser Weißer Ritter mit dunkler Sonnenbrille und Harnisch unterm Sakko (echt mafiös: Roland Klein) und ein lässiger Lukas Kubik in Jeans und Pulli (verwunschener Schauspieler, nicht gerade, wie man sich einen Hausdrachen vorstellt) auf den natürlich zu spät eintreffenden näselnden Forscher im englischen Tweed (zerstreut vor lauter Schmetterlingen im Kopf: Gösta Bornschein).
Von Katharina um „Licht im Dunkel des Textes“ von Ulrich Zaum gebeten („Der Drache, die Riesin und das dicke dreizehnte Königskind“ feiert heute Premiere), erklärt Drachendramaturg Matthias die ungebrochene Faszination durch Drachen damit, dass sie ziemlich große und spannende Wesen seien, viel größer und spannender als Ritter beispielsweise, zumal die feuerspeienden europäischen Exemplare ihre natürlichen Feinde regelmäßig anbrutzelten, weshalb die meisten nicht mehr weiß seien… Den ganzen Beitrag lesen »
Schatz gefunden in der Drachennacht!
Ein Junge wartete viel zu früh am Eingang zur Drachenhöhle, stand vor der Glastür, fuchtelte mit den Armen, krächzte und quiekte - sein Spiegelbild an? Nach einer Weile entdeckte ich im dunklen Blauen Foyer hinter der Tür eine junge Assistentin, die an diesem Abend für den Einlass sorgte. Auch sie stand allein vor der Scheibe und gestikulierte zurück, beugte sich zu dem Jungen herab, runzelte fragend die Stirn, beschrieb dann mit dem Arm einen großen Bogen und riss sich mit der rechten Faust den Daumen der linken Hand ab. Der Junge wiederholte seine Bewegungen flink und zackig, immerzu leise krächzend und quiekend. Die Frau antwortete mit ausdrucksvollem Schwung, lächelte fragend. So ging das eine Weile hin und her. Zackzack – Schwingschwing: Ein wortloser Schlagabtausch, ein pantomimischer Dialog zwischen Tür und Angel, ein geheimnisvoller Schatz leuchtete in einer gerade nicht bespielten Ecke des Theaterhauses kurz auf. Dann stürmten die anderen Kinder die Drachenhöhle. (Später erzählte mir Daniela Fels, der Junge habe ihr beigebracht, wie man den Daumen wirklich restlos, ohne dass man noch einen Knöchel sieht, zum Verschwinden bringen könne.)
Saffran und Krump streiten mit lustigem Gewürgz aber ohne Würze
Kinder sind schon erstaunlich. Es heißt ja immer, sie seien die gnadenlosesten Zuschauer, weil sie ihr Missfallen über ein Stück schon während der Vorstellung sehr direkt kundtäten. Ich habe das aber noch nicht erlebt (bei Jugendlichen schon), auch nicht gestern zur Premiere von „Saffran und Krump“. Sie waren still, wenn es still sein musste, sie haben laut gelacht, wenn sie laut lachen sollten, haben überaus fröhlich applaudiert und anschließend sagten Jungen und Mädchen unisono: „Es hat mir gut gefallen. Das war ein schönes Stück!“
Vielleicht verrät die Art von Stille und Lachen mehr? Den ganzen Beitrag lesen »
Premierenwerkstatt als live übertragene Drachennacht
Die Kinder wollten mal wieder nicht nachhause. Als die Drachenexperten-Talkshow gestern um viertel nach zehn zu Ende war, hätte die Nacht im TdJW noch lange weitergehen können. Wie die Wilde 13 stürmten die frisch beurkundeten Junggelehrten erneut den Königshof auf Etage 1, um sich in den Drachenfestspielen mit Luftballonschießen, HoolaHoop-Contest, Apfelfischen, Sackhüpfen, Rock’n Roll-Duetten auf gefalteten Zeitungen, Lanzenkämpfen und Steckenpferdrennen auszutoben. Anschließend wären sie wahrscheinlich gerne noch mal durch die Drachenhöhle hinter der Bühne gestiegen, um sich die Bärte, Warzen, Perücken und Kostüme für Ulrich Zaums Drachenstück zeigen und das Bühnenbild mit fahrbarem Drachenfelsen, wandernden Bäumen, „orgelnder“ Kirche, Nebeldampf und Feuerspuk erklären zu lassen. Danach käme noch eine von Schauspielern gelesene Drachengeschichte mit Tee und Keksen unterm Dach gerade recht, bevor sie sich in der gemütlichen Drachenzentrale in die dicken Kissen kuscheln würden, um der Life-Übertragung (auch direkt aus dem Leipziger Theaterhaus) der bundesweiten ARD-Radionacht mit Geschichten um feuerspeiende Träume weiter zu lauschen. Den ganzen Beitrag lesen »
Ist euch noch was heilig? Aufruf zum politischen Halloween
Im vergangenen Jahr war Halloween ja der Kracher für Kids und Schauspieler (siehe blog ganz weit unten). Zweifellos wird es auch nächste Woche wieder lustig drunter und drüber gehen im Theaterhaus. Obwohl auch ich meinen Spaß hatte, entscheide ich mich diesmal gegen die Gruselparty und für die Tradition(en). Anders als die Werbung weismacht, ist Halloween hierzulande doch gar nicht „traditionell“.
Zumal nicht im protestantischen Sachsen, wo allerdings heute nur noch die Reformationsbrötchen an den Lutherschen Befreiungsschlag am 31. Oktober erinnern. (Wäre uns noch was neben den Spareinlagen heilig, böte der etwas später eingeführte, „traditionelle“ Weltspartag (hihi) also schon Anlass zum Feiern.)
Auch in eher katholischen Gegenden hierzulande erinnert sich wohl keiner an Halloween, wohl aber an den Abend vor Allerheiligen, an dem die religiösen Leute ihrer Heiligen und Märtyrer gedenken, also deren vorbildliche Taten in widrigen Umständen.
Noch traditioneller ist der ziemlich weltliche Brauch armer Leibeigener in Irland, am Abend vor dem 1. November bei den Wohlhabenden bettelnd auf ihre äußerst widrige Situation aufmerksam zu machen, die nämlich, dass sie zum Wintereinbruch entlassen wurden. Um des Effekts willen schickten sie dazu gerne ihre gruselig ausgemergelten Kinder los – woraus wiederum die nervige Tradition „Süßes oder Saures“ entstand, die seit knapp 20 Jahren mit dem kommerzialisierten amerikanischen Reimport des irischen All Hallows Eve verquirlt wird.
Halloween ist nicht (mehr) traditionell, sondern eine modische Ablenkung. Ein zeitgemäßer Halloween-Kracher wäre, wenn man mit den Tradition(en) auf die widrigen Umstände armer Kinder am Anfang des 21. Jahrhunderts in Deutschland zeigte. Das hätte auch wieder politischen Gruselcharakter.
www.tdjw.de