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Steck das Kino in die Tasche!
von Sarah Schramm
Was tut ein Mann 21 Stunden lang auf einer Berliner Herrentoilette? Ganz einfach: Er sammelt Material für ein Daumenkino. Das macht jedenfalls Volker Gerling. Skurril, aber gar nicht mal so abwegig. An einem Ort, der lediglich dazu da ist, sich zu erleichtern, herrschen Anonymität und Bewegung. Menschen kommen und gehen – hektisch oder gelassen; Zeit verstreicht. Man kann dies geschehen lassen, als sei es das Normalste der Welt – oder fest halten, als sei jeder Augenblick etwas Besonderes. Auch auf einer Herrentoilette. Den ganzen Beitrag lesen »
“Geschichten, die man versteht, sind nur schlecht erzählt”
von Lisa Pätzold
Die Bühne ein Käfig. Der Saal gefüllt mit Nebel. Schummriges Licht und ein auffallend künstlicher Geruch. Mit leichtem Unbehagen nimmt man als Zuschauer von “Wendelgard. the first level” im Theater der Jungen Welt Platz.
Drei im barocken Stil gekleidete Damen sitzen mit dem Rücken zum Publikum auf dem Boden und singen a capella. Ein weißes Kaninchen hoppelt umbeirrt über die Bühne, ein Fernseher zeigt Fritz Langs Stummfilmklassiker “Die Nibelungen” von 1924. Rechts hängt ein Hakenkreuzbanner. Wenig später taumelt ein krüppeliger Marilyn Manson ins Licht. Mehrfach lärmen Sirenen, und der Raum füllt sich von allen Seiten mit Nebel – eine Art Gaskammer. Die schaurige Manson-Gestalt erweckt die darin erstickten Frauen mit einem Elixier jedes Mal zu neuem Leben. Nach Wagners “Rheingold” knallt laute Rockmusik aus den Boxen, irgendwann wird Mendelssohn-Bartholdy gesungen. Den ganzen Beitrag lesen »
Treue, Ehre, Verschwiegenheit
Asche und Sonja wippen auf dem Sprungbrett, verbunden durch die Kopfhörer ihres iPods entschwinden die beiden für einen Moment der Realität und summen den aktuellen Erfolg „Allein, Allein“ von Polarkreis 18. Asche ist verliebt. Doch die Romantik kippt. Mit der Clique kehrt auch Asches Gewaltpotential zurück. Auf der Suche nach Identität ist er bereit sich den kriminellen Aktivitäten zu fügen und für das Gefühl von Halt die Anpassung in Kauf zu nehmen.
- Asche mit Sonja
Poseidon auf Wasser-Entzug
Über die Fernsehästhetik, die Längen und die Stärken von Klaus Schumachers „Odyssee“.
Auf einem Sandsteinbrocken vor gold-brauner Kulisse (Bühne: Katrin Plötzky) liegt, im Licht des Scheinwerferspots, der griechische Held: Odysseus (Hermann Book). Ihn lässt Regisseur Klaus Schumacher mit einem Monolog in Versmaß beginnen, seine uralte Geschichte zu erzählen: Ein „Spielball der launischen Götter, betrauert nur von Kalypso, Königin der Inseln Ogygia“, sei er.
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Wo war der Schutzengel?
Gar nicht schön: das Zürcher Ensemble jetzt & co. wurden beklaut, während sie spielten.
TATORT: Theater der jungen Welt.
TATZEIT: Zwischen 16:00 und 17:20 Uhr, während der Vorstellung „Hinter dem Bahnhof liegt das Meer“
TÄTER: unbekannt.
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Von Eindruck und Ausdruck
Für Anne Todt ist die Inszenierung „Ein Schuss für jeden“ ein Zuschauerratespiel
EINDRUCK:
Ich verließ das Stück etwas enttäuscht. Auf der Bühne lagen Tote, dann lebten sie wieder. Einer war im Gefängnis, am Ende stellt sich heraus, dass es dazu nicht wirklich einen Grund gab. Es gab Schüsse, aber nur mit Platzpatronen. In einem Satz: Für mich machte es zunächst keinen Sinn.
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Ringelrock auf blasser Haut
Eine Nicht-Show von Disko-Attitüden zog das niederländische Performance-Duo United Sorry beim Late-Night-Special zum Abschluss der Werkstatt-Tage ab.
Der Blümchenhemd-Träger haucht in sein Mikrofon: „Make us feel mighty real“. Sein bärtiges Gesicht schmückt ein breites Grinsen. Auf einem Barhocker sitzend liest er durch seine große, dunkle Sonnenbrille Liedtexte von Disco-Hits der 70er und 80er. Wort für Wort. Einer Hypnose gleich, redet er auf seinen Partner „Mister United“ ein. Beobachtet ihn bei der Improvisation mit seinem Körper.
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Meer Heimat
Enrico Beeler schickt in in „Hinter dem Bahnhof liegt das Meer“ zwei Outsider auf die Suche nach ein bisschen Glück.
„Auch auf den Händen laufen?“, fragt Kosmos herausfordernd das bisher verschreckte Häufchen Neuner. Dieser schwingt sich kurzzeitig zu Selbstbewusstsein auf, schlingt seine Finger um die Sohle seiner Schuhe und eiert gebückt über die Bühne – um ans Meer zu gelangen, würde der kleine Neuner alles tun. Beeindruckt von dieser Willensstärke, fordert Kosmos ihn zu einem Hände-unter-den-Schuhsohlen-Wettrennen heraus. Untermalt vom Spiel des Mundharmonikajohnnys.
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„Ich bin kein Fernseher!“
Holger Schobers „Hikikomori“ bricht in der Inszenierung von Dominik Günther als Stubenhocker auf Speed nach vorne durch.
Was einem bereits beim Einlass im Foyer entgegendröhnt, hört sich an wie J-Rock, Japanese Rock-Music. Japanisch ist auch der Titel des Stücks von Holger Schober: „Hikikomori“. Da verweigern junge Männer in Japan allen Kontakt zur Gesellschaft. Sie schotten sich in ihren Zimmern nach außen ab. Mit Videospielen und Online-Chats vereinsamen sie in virtuellen Welten.
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Isolde, die Holde
Von Koboldläusen, Werwurzjungen und einer kreischenden Prinzessin handelt Pamela Dürrs Stück „Die Ungeheuren und die Prinzessin vom Planeten Pipapo“.
Wie rotes Wassereis leuchten die aufeinander gestapelten Eimer. Das Schloss der Prinzessin Isolde (Elisabeth Fues) vom Planeten Pipapo. Aus dem Off hört man die Erzählerin: „Schöner als jede Vorstellung, ein anmutiger Traum in rosa Tüll“. In einem knallpinken Kleid mit ausgestopftem, langen Rock und hohem Goldkrönchen erscheint sie – die Holde. Den ganzen Beitrag lesen »
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