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Wie Fliegen
von Alexandra Hennig und Doreen Kunze
Du stehst auf einem weißen Hocker. Auf Zehenspitzen. Ein Gefühl so ähnlich wie Fahrradfahren. Erst den Berg hinauf. Abstrampeln. Bis du dann ganz oben bist. Und dann rollst du. Du rollst und rollst und das gibt dieses Kribbeln im Bauch. Du könntest die Hände vom Lenker nehmen. Fast wie fliegen, aus eigenem Antrieb. Du hebst einfach ab und dann: Wuuuuuuuusch.
Wie das so geht – das Fliegen zum Beispiel: Vertrauen haben in sich selbst, durchhalten, kämpfen und den Mut nicht verlieren. Und wie schwer es ist, nicht reden und vor allem nicht lachen zu dürfen. Eine Ahnung davon bekommt man in der die Inszenierung „Die Wilden Schwäne“ von Stefan Ebeling im Rahmen der 17. Werkstatt-Tage der Kinder-und Jugendtheater. Die Handlung des grimmschen Märchens ist wohlbekannt: Die Prinzessin Elisa befreit ihre elf verwunschenen Brüder vom Fluch der bösen Stiefmutter. Sie wurden einst in wilde Schwäne verwandelt. Den ganzen Beitrag lesen »
Die zwei Fragezeichen
von Mathilde Lehmann
Wo war noch mal, wo hab ich denn, wie wollte ich sagen, my mind is broken, my body flies high. „Lost in Space“ haben die beiden Performance-Künstler Robert Steijn und Frans Poelstra von United Sorry aus Amsterdam das Ganze genannt, und der Name ist Programm.
Es ist ein Konzert, das Verstörung produziert. Man möchte nur zu gerne an einen Witz glauben, daran, auf den Arm genommen worden zu sein. Zwei Männer in den Vierzigern stolpern auf der Bühne herum, als ob wirklich alles verloren sei. Sie suchen ihre Instrumente, die Textblätter, den Song, die Requisiten liegen zu ihren Füßen, aber außerhalb ihres Sichtfeldes. Den ganzen Beitrag lesen »
Der Frühling ist nicht ganz erwacht
von Lisa Pätzold
Es plätschert. Im roten Planschbecken eine Fontaine. Daneben eine Topfpflanze, alles umrahmt von einem Steg – wir sind am See. Wenn das kein Treffpunkt für Jugendliche ist! Das dachten sich wohl auch Ausstatterin Heike Vollmer und Regisseur Dominik Günther, als sie Wedekinds „Frühlings Erwachen“ im Zwinger 3 in Heidelberg inszenierten. Allerdings in der Fassung von Nuran David Calis. Die Inszenierung ist zu den 17. Werkstatt-Tagen des Kinder- und Jugendtheaters nach Leipzig eingeladen. Den ganzen Beitrag lesen »
Wir sind Horatio
Sechs weiße Zelte türmen sich auf, davor sieben weiß gekleidete Schauspieler, allesamt mit E-Gitarren gerüstet. Lampen werfen schummriges Licht, der Sound eines Country-Songs ertönt. Das ist „Hamlet“. „Wanted Hamlet“. Wer eine werkgetreue Inszenierung des Shakespeare-Dramas erwartet, ist fehl am Platz. Wer bereit ist, “to be or not to be“ in zeitgenössischem Kontext zu betrachten, goldrichtig.
Tragödien. Immer dasselbe Muster: Am Ende sterben (fast) alle. Abend für Abend verkörpern die Schauspieler den Tod. Weil das Genre es vorschreibt, sterben sie für den Zuschauer; er selbst überlebt. Er ist Kreon, Escalus Prinz von Verona, Horatio – nie aber der Held. Den ganzen Beitrag lesen »
Mit dem Mond im Zimmer
von Mathilde Lehmann
Eine Wäscheleine im schummrigen Dunkel des Raumes. An ihr sind weiße Blätter aufgereiht. Eine Rolle Klebeband baumelt ebenfalls von der Leine herunter und schwingt leise im Luftzug der offenen Saaltür. Lukas Kubik, Ute Sengebusch, Hans-Jürg Müller und Oriana Schrage laufen herein, jeder mit einem Pappkarton unterm Arm, auf den sie sich in einer Reihe zum Publikum gewandt setzen. Den ganzen Beitrag lesen »
Bumm-tschick!
von Franziska Hilde Frank
Zwei Hände, eine Trommel, ein Mann. Stille. Minutenlang. Ein Schlag, und sie ist wie weggeblasen. Es ist nicht ganz klar, wer hier mit wem angereist ist. Schon der Titel sorgt für die Brechung gewohnter Hierarchien: “Trommel mit Mann”. Trommel mit Mann?
Die Trommel gastierte am gestrigen Abend zusammen mit dem Schweizer Fritz Hauser bei den 17. Werkstatt-Tagen der Kinder- und Jugendtheater. Im dicht gedrängten kleinen Saal des Theaters der Jungen Welt sorgten sie mit ihrer virtuosen Performance für ein etwas anderes Erlebnis. Den ganzen Beitrag lesen »
Heute schon den Kopf verloren?
Köpfe stehen im Mittelpunkt des ersten Kinderstücks der Jungautorin Maja Das Gupta, die väterlicherseits indische Wurzeln hat. Die Köpfe sind zerstreut, gehen verloren, werden getauscht, durch andere ersetzt und schließlich von einer fiesen hinduistischen Göttin als modisches Accessoire sogar an ihrem Gürtel befestigt. Auch schön.
Man merkt den jungen Schauspielstudenten der Akademie für darstellende Künste Ludwigsburg ihre Nervosität leicht an, durch zitternde Hände und durch den Text rennende Stimmen. Zu Anfang der Aufführung betreten vier der fünf Darsteller der Reihe nach die Bühne, bemüht um eine aussagekräftige, jeweils eigenwillige Form des Gehens. Man soll trotz fehlender Kostüme sofort unterscheiden können zwischen der Enkelin, der Großmutter und den hinduistischen Göttern – die Gang-Art als Ausdruck ihrer Rollen. Leider wird das höchstens angedeutet. Den ganzen Beitrag lesen »
Mit einer Hand am Schafsohr
von Alexandra Hennig
Imaginäres Schneegestöber. Beißender Wind übertönt das Magenknurren des Wolfes, der darbend, aber schick in Nadelstreifeanzug durch eisige Kälte stolpert. Wenn schon, denn schon: “Wir wollen das ganze mit Stil angehen!” Die Krallen sind gewetzt, die Fingernägel kratzen am Mikro. Getrieben von Kohldampf, in der Hosentasche eine goldene Uhr. Sonst hat er nichts im Haus, als eine Flasche Wein. Fleischeslust führt ihn zu einem bescheidenen Stall…
Claus Overkamp vom Theater Marabu in Bonn bringt den turbulenten Ausflug zweier Charaktere auf die Bühne, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Kein Wunder, dass im Blümchenkleid ein munteres Schäfchen dem kernigen Wolf entgegen tritt. Die Haare zu zwei Zöpfen gebunden, wie es sich so gehört. Wolf gelüstet es nach saftigen Schafskeulen, Schaf verzehrt sich nach Gold und hohen Türmen. Und es ist neugierig. Dem Fremden, der Brombeeren und hartes Brot verschmäht, folgt es gern – auf geht’s zur Stadt “Erfahrungen”. Den ganzen Beitrag lesen »
Eckspiel, Versteckspiel
von Doreen Kunze
Bunte Papierboote und eine Reise zum Mond, ein schlafendes Tier und eine Schlammschlacht – das Theater der Jungen Welt Leipzig hat für die erste der drei „Boxenstopp“-Inszenierungen der Werkstatttage so einiges im Gepäck. Großartig in Szene gesetzt wird Bernhard Studlars Kleinkinderstück „Um die Ecke“ durch die Regisseurin Ulrike Stöck.
Mit faszinierender Leichtigkeit schaffen es die drei Darsteller Martin Klemm, Susanne Krämer und Wilfried Reach, die Aufmerksamkeit der Kleinen (ab zwei Jahren!) voll auf sich zu ziehen. Denn die Inszenierung lebt von einem Spiel zwischen Neugier und Fantasie. So wird aus einem großen Berg zusammengeknülltem Papier, der bei den Kindern für Aufsehen sorgt („Auweia, so viel Papier“) – zack – eine Ecke, hinter der sich allerlei Geheimnisse verbergen: eine große Matschpfütze, ein geheimnisvolles Tier und schließlich sogar der Mond. Den ganzen Beitrag lesen »
“Halt die Fresse, du Fotze”
von Franziska Hilde Frank
Sie möchte mit ihm gehen, aber kann es ihm nicht zeigen. Weil sie eine bescheuerte Mutter hat, die es ihr auch nicht zeigen kann, außer wenn sie ihr Salbe auf den Rücken schmiert und sich dahinter verstecken kann. Sie sind kaputt – ihr feiger Bruder, ihre Mutter, der, der sie schlägt (sie nennt ihn „den Großen“) und sie. Sie ist Leyla, 15. Sie ist verletzt.
Jürgen Zielinski hat „Nachtblind“, das ausgezeichnete Erstlingswert der jungen Schweizerin Darja Stocker, am Theater der jungen Welt mit einer Eindringlichkeit inszeniert, die fesselt. Vor allem Elisabeth Fues als trotzig kämpfende Leyla reißt mit. So als würde sie einem die ganze Zeit fest in die Augen schauen, ohne mit der Wimper zu zucken. Den ganzen Beitrag lesen »
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