Spielzeitmotto “Herzklopfen” am Theater der Jungen Welt
24. Juli 2010 von maschmensch, was soll dieses herzklopfen denn bloß sein? Als ich s. meine liebe gestanden habe, hatte ich herzklopfen. sie war scheinbar ruhig. hatte sich alles interessiert angehört. und meine welt schien am abgrund. geht’s einen schritt vor? abwärts? wenn sich das leben beschleunigt, der puls rast. die zeit anhält. sich in mikrosekunden auflöst. jede sekunde ein halber tod. und ein wahnsinnsgefühl. pochen. alles was grade passiert, ist pures gefühl. augenblick. so weit so bla.
herzklopfen. alles und nichts. kein inhalt. oder ne urne. in der asche liegt. denn das herzklopfen, das vorüber ist, ist asche. das pure vorbei. gestern.
ausgerechnet der, der die größte coolness hat, haben will, interessiert sich fürs herzklopfen. Ist das pures dope? lust auf gesteigerte gegenwart. alles, was nicht mehr langweilig ist? der kitzel (weil das gegenüber fehlt?).
je mehr ich drüber nachdenke, kann ich mit herzklopfen garnichts anfangen. weils so beliebig ist. also doch das gesteigerte sein? das abenteuer? das nach einer zeit x wieder vorbei ist?
wenn die neonazis auf dich zurennen, eisenlatte in der hand. und du? rennst. panik.
wenn n. dich wie ungewollt mit den fingern, dann mit einem blick streift. lächelt.
wenn die polizei rechts aus der straße schießt und du nur noch aus schrecksekunden bestehst. weil der fünfte whisky noch frisch riecht aus deinem mund. und morgen die fahrt losgehen soll, nach norwegen, an den fjord.
wenn sich der felsen seit fünfzehn minuten in deine hand krallt. dein fuß keinen halt findet. der muskel lahm wird. die verzweiflung in deinem kopf zu rasen beginnt. unter dir fünfzig meter.
und so weiter und so fort.
langsam glaube ich, dass ich auf dem holzweg bin, wenn ich das theatralische, das spannende am herzklopfen nur im inhalt suche. es geht nur scheinbar um das gesteigerte empfinden des augenblicks. es geht um den augenblick selbst.
kleiner rückgriff auf goethe/schiller. die beiden bezeichnen als charakteristikum des dramatischen gegenüber dem epischen die absolute gegenwärtigkeit des geschehens. im vergleich zur puren vergangenheit des epischen. vielleicht ist es ja diese gegenwärtigkeit, die das herzklopfen, das immer den moment feiert, mit dem theater verbindet. auch hier findet ein ereignis immer in der jetztzeit statt. live. wie das herzklopfen. juchu!
also wirklich. gibt es ein passenderes motto für eine theaterspielzeit als herzklopfen? ich glaube fast, nein.
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