Lindenau mit Spätaufsteher Schweßinger

11. November 2009 von masch

Es war ein Spaziergang durch die Schmuddelecken Lindenaus, entlang unsanierter Straßenzüge, geschlossener Kneipen,  unbeleuchteter Parks,  geführt von einem liebenswert schweigsamen Michael Schweßinger. Schweßinger ist Autor von “In darkest Leipzig. Von den seltsamen Sitten und Gebräuchen der Lindenauer”. Der aus Bamberg stammende Franke fügt sich allerdings selbst wunderbar in den Stadtteil. In dessen sub- oder soziokulturelle Nischen, die alles andere als schillernd oder marktgängig sind. Die eher trotzigen Wärmestuben gleichen inmitten fusskalter und augenschmerzender Ödnis.

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Es sind das HinZ und KunZ zum Beispiel in der Georg-Schwarz-Straße, der ehemaligen Vergnügungsmeile Lindenaus (lang ists her), das Schreibmaschinencafé in der Merseburger Straße (geöffnet nur dienstags, wenn die rote Birne leuchtet) oder die Nachbarschaftsgärten samt Radwerkstatt in der Josephstraße, die er liebt. Schweßinger wirft nicht nur einen Blick auf das funkelnde Dach der Nathanaelkirche, er erzählt lieber von Kneipenschlägereien, die ihm zuliebe unterbrochen werden, Poststellen, in denen die einzige Beamtin – trotz Öffnungszeit – stundenlang den Laden verlässt und Bäckereien, in denen es Samstags um 10 Uhr bereits keine Brötchen mehr gibt. “Tja, junger Mann, da müssen Sie schon früher aufstehen!”

Wer die nächste Lindenau-Safari mit Michael Schweßinger – gerne mit anschließendem Bier in Lindenaus Kneipenszene -, und organisiert von der Agentur für Stadtleben evendito, mitmachen möchte, kann sich allerdings etwas Zeit lassen mit dem Aufstehen. Sie findet statt am Dienstag, 8.12., Treffpunkt 19 Uhr am Theater der Jungen Welt. Da ist Lindenau wieder richtig schön “dark”.

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