“Schwarze Jungfrauen”-Autor Zaimoglu gegen Integration
28. Oktober 2009 von maschHier ein Nachtrag anläßlich der Premiere “Schwarze Jungfrauen” und deren Autor Feridun Zaimoglu. Hatte meine Aufzeichnungen von einer Lesung mit Z. einfach nicht wiedergefunden, und jetzt ists gut nen Monat später. Schon blöd. Aber Zaimoglus Gedanken fand ich toll. Deshalb stehen gleich ein paar davon da. Obwohl er ja zum Überthema “Migranten in der deutschen Literatur” an dem Abend erkennbar keine Lust hatte. Moderator Hametner ließ sich von solchen Befindlichkeiten nicht beeindrucken und kannte kein Pardon. Beziehungsweise, keine anderen Themen.

Der Autor von Liebesromanen inmitten seiner Leipziger Fans
“Ich kann snacken“, behauptet Feridun Zaimoglu, der 1964 geborene türkischstämmige Schriftsteller im Haus des Buches. Immerhin lebt er nun schon jahrzehntelang in Kiel an der Ostsee. Wobei die Bezeichnung Muttersprache für sein “Platt” trotzdem nicht korrekt ist, denn seine Mutter (und auch sein Vater) sprachen zuhause türkisch, der kleine Feridun und seine Schwester allerdings Deutsch. Türkisch heute nicht mehr richtig zu können, bezeichnet Zaimoglu als einen Sprachverlust, der “weh tut“.

Feridun Zaimoglu wünscht dem TdJW toi toi toi zu den "Schwarzen Jungfrauen"
Doch ganz läßt ihn das Thema Migration nicht kalt. Die Veranstaltung im Haus des Buches am 24.9.2009 war eine von der Bosch-Stiftung unterstützte Lesereise von Adelbert-von-Chamisso-Preisträgern, unter anderem Feridun Zaimoglu. Interessant: Der Preis wird verliehen an Schriftsteller, deren Muttersprache und kulturelle Herkunft nicht deutsch ist. Zaimoglu findet sich in dieser Beschreibung kurioserweise gar nicht wieder. Mehr noch: “Integration“, das Zauberwort neudeutscher Politik und Politiker, ist für Feridun Zaimoglu beinahe ein Unwort. Zumindest ist er “not amused” über diesen Begriff. Der ursprünglich aus einem technischen Umfeld stammende Begriff würde, auf Menschen angewandt, organisch gewachsene Biografien in ein Korsett zwingen. Wie auch gegenüber Ostdeutschland und seinen Bürgern würde das Wort “Integration” letztlich gegen Menschen “in Stellung gebracht“, gemeint sei oft nichts als pure “Annektion“. Die Frage, wie sich das neue System “gegenüber dem alten“, dem bundesrepublikanischen, würde ändern müssen, wäre z.B. garnicht gestellt worden. Solange Integration also als ein einseitiger Anpassungsprozess verstanden werde, solle man eher darüber sprechen, wie ein Werkstück in eine Fabrik oder Montagehalle integriert werden solle.
Feridun Zaimoglu, dessen Heimat Deutschland oder zumindest der Norden Deutschlands ist, würde, anstatt über Integration zu reden, viel lieber den Begriff “Heimatliebe” verwenden.
Und Feridun Zaimoglu kann, wie schon das Wort Integration, den Stempel Migrant nicht mehr ertragen.
Schon klar, er verfestigt in jeder Hinsicht pures Schwarz/weiß-Denken und stigmatisiert. Was aber tun? Vielleicht nicht immer gleich das Fremde sehen. Sondern das Individuelle. Auch wenns gegen Multikultiseligkeit ginge.
Das Stück “Schwarze Jungfrauen” von Feridun Zaimoglu/Günter Senkel wird, Ja! derzeit am Theater der Jungen Welt aufgeführt; nächste Vorstellungen 29./30.11. und 1.12., 20 Uhr. Lang und toll!
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