Treue, Ehre, Verschwiegenheit
3. März 2009 von KritikerworkshopAsche und Sonja wippen auf dem Sprungbrett, verbunden durch die Kopfhörer ihres iPods entschwinden die beiden für einen Moment der Realität und summen den aktuellen Erfolg „Allein, Allein“ von Polarkreis 18. Asche ist verliebt. Doch die Romantik kippt. Mit der Clique kehrt auch Asches Gewaltpotential zurück. Auf der Suche nach Identität ist er bereit sich den kriminellen Aktivitäten zu fügen und für das Gefühl von Halt die Anpassung in Kauf zu nehmen.

- Asche mit Sonja
Am 26.02.2009 feierte die Inszenierung „Bis in die Wüste“ unter der Regie von Jürgen Zielinski am Theater der jungen Welt Premiere. Das Stück von Jean-Michael Räber, das 2006 den 1.Preis des Baden-Würtemberger Jugendtheaterpreises erhielt, behandelt die Problemfeldern Jugendkriminalität, Mitläufertum und zerfallenden Familienstrukturen.
Onanieren, Kiffen, Glotzen und Ausländer beschimpfen. Tätigkeiten, die den Alltag der drei Jugendlichen Asche, Bodo und Kalle bestimmen. Drei Jungen. Drei Typen. Asche, Bodo und Kalle bilden eine Clique in der die Rollen zunächst klar verteilt sind. Bodo gibt den Ton an. Asche und Kalle stimmen ein. Kalle aus Dummheit. Asche aus Unsicherheit. In der Szenerie eines Schwimmbades ereignen sich zahlreiche Konflikte, mit denen sich der Protagonist Asche auseinandersetzen muss. Auf der Jagd nach seiner Identität muss er erkennen, dass es nicht immer der beste Weg ist dem Stärksten zuzustimmen und der Zweifel einen chancenreichen Nährboden für den eigenen Pfad bieten kann.
In Rückblenden und mit Zeitbrüchen erzählt die Hauptfigur Asche sein Leben, wobei er zwischen erzählendem Kommentar und Spiel switcht. Asche lebt in einer problematischen Familie. Der Vater schweigt die konfliktträchtigen Themen aus und die Mutter versinkt in ihren Tränen. Mit diesen Angeboten zur Konfliktlösung ist er in seinem Alltag auf sich gestellt. Halt gibt ihm seine Clique. Bodo gibt die Lebensmaxime vor, Asche und Kalle folgen. Mit den großen Worten wie „Treue, Ehre, Verschwiegenheit“ versucht Bodo sich sein Gefolge gefügig zu machen. „Aber“ gehört gesetzlich verboten.
Asche stimmt in die Brutalität des Anführers ein, meldet vereinzelt Zweifel, landet letztendlich jedoch immer mitten im kriminellen Geschehen. Eine Katze wird erhängt, ein Auto angezündet, ein Mann angeschossen und Alis Gemüseladen in Brand gesteckt. Durch einen Zufall wird Asche unfreiwillig von einem rechtsorientierten Jugendlichen zum Held der Antifa.
Die ständige Sprünge zwischen Figur und kommentierendem Erzähler werden von Martin Klemm nicht stringent durchgehalten. Zu oft verblasst die Figur vor dem Hintergrund des Kommentators. Die Dominanz des Anführers Bodo (Stephan Fiedler) ist sehr schwach gezeichnet, wodurch das Hierarchieverhältnis innerhalb der Clique unsauber erscheint. Sehr authentisch und amüsant gestaltet hingegen Lukas Kubik den dümmlichen Kalle.
Die Bühne ein Freibad. Das Schwimmbecken – Ort für die Planung der kriminellen Aktionen. Der Einsatz von Jalousien auf dem hinteren Teil der Bühne verleiht dem Bühnenraum mehr Tiefe, bietet Abwechslung sowie eine klare Trennung der unterschiedlichen Ebenen. Die zusätzliche Bildebene der Leinwand ergänzt den Bühnenraum, um eine weitere räumliche Komponente. Unterstützt wird die Zeichnung von vielfältigen Schauplätzen durch die atmosphärische und charakteristische Lichtgestaltung.
Mit dem Stück „Bis in die Wüste“ setzt das Theater der jungen Welt ein klares Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen. Rechtsextremismus ist ein Thema, das gerade im Jugendtheater intensiver problematisiert werden muss. Das Theater der jungen Welt bietet in dieser Spielzeit ein umfangreiches Programm an Inszenierungen und Diskussionsforen, um diese Problematik in den Dialog der Jugendlichen einzubringen. Rechtextremismus auf die Bühne zu bringen, ist unabdingbar und notwendig. Diese Inszenierung bietet einen ersten Ansatz, erreicht aber nicht die notwendige Tiefe, die die Thematik benötigt.
Franca Hähle
www.tdjw.de
Am 11. März 2010 um 20:30 Uhr
Jean-Michael Räber hat ein großartiges Stück geschrieben. Ich fand das Stück sehr gut muss ich sagen. Es war nicht so langweilig wie andere theaterstücke man wollte immer wissen was als nächstes passiert. Die Schauspieler haben ihr Rolle hervorragend gespielt. Obwohl ich sagen muss das die Guides es ein bissl besser gemacht haben. Man hat aber Leider am Anfang nicht verstanden warum die Mutter noch lebte da sie sich ja am Anfang umbrachte (in der EInführung). Was mir zudem noch ein bissl gefehlt hat ist die Zeit zu nennen in der sie spielen. Man hat es natürlich nach und nach mitbekommen aber ich find es so trotzdem besser.
mfg Kevin