Expertentalk der Drachennacht lüftet nicht jedes Geheimnis
22. November 2008 von smoeAls die 50 Luftballons mit Kindern dran sowie die aus den Proben herbeigeeilten Schauspieler in der Drachenzentrale endlich Platz genommen haben, stellen die beiden Moderatorinnen Romy Kuhn und Katharina de Vette ihre Gäste vor. In der Runde warten der Hausexperte zum letzten überlebenden Drachen (Matthias Schiffner), ein fieser Weißer Ritter mit dunkler Sonnenbrille und Harnisch unterm Sakko (echt mafiös: Roland Klein) und ein lässiger Lukas Kubik in Jeans und Pulli (verwunschener Schauspieler, nicht gerade, wie man sich einen Hausdrachen vorstellt) auf den natürlich zu spät eintreffenden näselnden Forscher im englischen Tweed (zerstreut vor lauter Schmetterlingen im Kopf: Gösta Bornschein).
Von Katharina um „Licht im Dunkel des Textes“ von Ulrich Zaum gebeten („Der Drache, die Riesin und das dicke dreizehnte Königskind“ feiert heute Premiere), erklärt Drachendramaturg Matthias die ungebrochene Faszination durch Drachen damit, dass sie ziemlich große und spannende Wesen seien, viel größer und spannender als Ritter beispielsweise, zumal die feuerspeienden europäischen Exemplare ihre natürlichen Feinde regelmäßig anbrutzelten, weshalb die meisten nicht mehr weiß seien…
Der verwunschene Lukas ergänzt, er habe nicht nur Drachologie sondern den Drachen selbst studiert und werde sich vollkommen drachengemäß bewegen. Also auch hinter Frauen und Gold her sein und damit den Ritter empfindlich treffen. In 500 Jahren Prinzessinnenraub häufe sich schon was an. Für die Ausrottung durch die Ritter werde sich sein letzter überlebender Drache nun rächen. Wie er denn mit der großen roten Maske spielen wolle, die sie nachmittags in der Maskenbildnerei gesehen hätten, wollen die Kinder wissen. „Oh, er könne sehr gut unter ihr sehen und sie mache sein Erscheinen einfach grauenhaft… Auf Romys Frage, was er am Drachesein besonders bedeutsam fände, entgegnet Lukas: „Das Fauchen!“
Jetzt plustert sich Roland gegen die mangelnde Aufmerksamkeit auf: Er sei immerhin der letzte Ritter, der noch mit Schwert und Lanze umgehen könne. Er trainiere täglich viele Stunden und gehe niemals unbewaffnet auf die Straße! Einige Kinder rufen: „Der war heute in der Straßenbahn, mit Perücke!“ Matthias nuschelt etwas von Äpfeln, Tarnkappe und -uups!- und auf die Frage eines Kindes, wozu Drachenforscher Gösta sein winziges Netz benötige, holt der sehr weit aus, um zu erläutern, dass er Flatologie studiert habe, nach allem Möglichen forsche, sogar auf der Suche nach sich selbst sei und dennoch das erste Opfer des Drachen werde.
Die Kinder fragen, ob der Ritter den Drachen nicht bezwinge und wie er das anstellen wolle. Der aufgeplusterte Roland prahlt über einen bestimmten Ton seines Horns und dass er mit seinem Schwert gegen Feuer und Riesenmaul wie ein ganzer Mann kämpfen werde! Aber die Kinder haben ja das Drachologiediplom in der Tasche, wissen also, dass Drachen nicht mit Schwert sondern mit -uups!- zu fangen sind und befragen nun den Forscher nach seiner -uups!-Theorie. Der näselnde Gösta holt wieder sehr weit aus, es habe ihn anno 1965 in die Laubwälder der Antarktis verschlagen (das Auditorium lacht), wo ihm ein interessantes Experiment mit Motten gelungen sei…
Stöhnend winken die Kinder ab, lassen sich lieber von Matthias erklären, warum das dreizehnte Königskind dick sei und wie man sich eine Ehe zwischen Drache und Riesin fauler Helga im hundertjährigen Schlaf vorzustellen habe, bevor sie sich wieder dem Herrn Ritter zuwenden. Immer mehr wollen ihn am gleichen Tag in Stöckelschuhen und (zerrissenen!) Netzstrümpfen in der Straßenbahn gesichtet haben. Der erblasste Roland dementiert etwas weniger aufgeplustert, kann aber in diesem Fall nicht vollständig überzeugen. Ich bin irritiert: Wer war das nun in der Tram und was hat das überhaupt mit dem Stück zu tun?
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