Saffran und Krump streiten mit lustigem Gewürgz aber ohne Würze

16. November 2008 von smoe

Kinder sind schon erstaunlich. Es heißt ja immer, sie seien die gnadenlosesten Zuschauer, weil sie ihr Missfallen über ein Stück schon während der Vorstellung sehr direkt kundtäten. Ich habe das aber noch nicht erlebt (bei Jugendlichen schon), auch nicht gestern zur Premiere von „Saffran und Krump“. Sie waren still, wenn es still sein musste, sie haben laut gelacht, wenn sie laut lachen sollten, haben überaus fröhlich applaudiert und anschließend sagten Jungen und Mädchen unisono: „Es hat mir gut gefallen. Das war ein schönes Stück!“

Vielleicht verrät die Art von Stille und Lachen mehr? Es gibt ja diese knisternde Stille, in der man spürt, dass eine Inszenierung so gefangen nimmt, dass man (irritiert oder verzaubert) den Theaterraum vergisst. Gestern kam mir die Ruhe mehr wie ein höfliches Warten an der Bühne vor. Das Lachen wirkte oft wie auf den Punkt gesetzt: Jetzt sind wir dran, und brach manchmal wie ein erlöstes Kreischen heraus: Hui, jetzt passiert was. Es ist, als hätten sie mitgespielt, um das Stück gelingen zu lassen.

Mir gelang das nicht so gut. Die Vorlage von Pamela Dürr bringt zwei komische Typen zusammen, die in 60 Minuten sämtliche Konstellationen durchspielen, an denen ein Zusammenleben scheitern und glücken kann. Diese Konstellationen lassen sich auf Freundschaft, Schule und große Politik übertragen und es ist schon witzig, wenn Saffran und Krump sich gegenseitig „Toleranz und Respekt!“ abfordern, den Kampf der Gegensätze als unvermeidbar begründen und schließlich Regeln für ein Miteinander aushandeln. Dass zu ihren kulturellen Unterschieden auch noch die Sprachbarriere hinzukommt, ist aber nur zu Anfang kurz lustig, denn merkwürdigerweise verstehen sie trotzdem jedes Wort. Und warum ausgerechnet sie einander brauchen und sogar mögen, erschließt sich mir nicht.

Auch die Inszenierung begründet die plötzliche Sympathie zwischen den Widersachern so wenig wie sie die Konstellationswechsel (vom Frieden zum Krieg und zurück, vom Unverständnis zur Freundschaft zur Trennung zur Akzeptanz des anderen) entwickelt. Wenn die Kontrahenten plötzlich zur Normalsprache wechseln, wirkt es mehr als Fehler denn als Kunstgriff. So bleibt die Stunde ohne Vorahnungen und Überraschungen spannungslos. Man wartet mit den einzelnen Stationen auf das gute Ende.

Ein einziger Junge seufzte in einer der Wartephasen unvermittelt „Oh, ist das langweilig!“ Alle anderen schienen sehr zufrieden. Das finde ich erstaunlich.

Diesen Beitrag bookmarken
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • del.icio.us
  • Yigg
  • Twitter
  • PDF

Einen Kommentar schreiben


Kategorien

Archiv

    Suche nach:

Neueste Beiträge

Neueste Kommentare

Autoren

Social Bookmarks

  • Facebook