Premierenwerkstatt als live übertragene Drachennacht

15. November 2008 von smoe

Die Kinder wollten mal wieder nicht nachhause. Als die Drachenexperten-Talkshow gestern um viertel nach zehn zu Ende war, hätte die Nacht im TdJW noch lange weitergehen können. Wie die Wilde 13 stürmten die frisch beurkundeten Junggelehrten erneut den Königshof auf Etage 1, um sich in den Drachenfestspielen mit Luftballonschießen, HoolaHoop-Contest, Apfelfischen, Sackhüpfen, Rock’n Roll-Duetten auf gefalteten Zeitungen, Lanzenkämpfen und Steckenpferdrennen auszutoben. Anschließend wären sie wahrscheinlich gerne noch mal durch die Drachenhöhle hinter der Bühne gestiegen, um sich die Bärte, Warzen, Perücken und Kostüme für Ulrich Zaums Drachenstück zeigen und das Bühnenbild mit fahrbarem Drachenfelsen, wandernden Bäumen, „orgelnder“ Kirche, Nebeldampf und Feuerspuk erklären zu lassen. Danach käme noch eine von Schauspielern gelesene Drachengeschichte mit Tee und Keksen unterm Dach gerade recht, bevor sie sich in der gemütlichen Drachenzentrale in die dicken Kissen kuscheln würden, um der Life-Übertragung (auch direkt aus dem Leipziger Theaterhaus) der bundesweiten ARD-Radionacht mit Geschichten um feuerspeiende Träume weiter zu lauschen.

 

Bloß zum Drachenfalten und erst recht für ein neuerliches Drachologie-Studium wären sie dann vielleicht ein bisschen zu erschöpft. Da würden sie nämlich noch mal durchs ganze Treppenhaus gejagt, um in diversen Lehrmodulen ziemlich komplizierte Fragen zur Phänomenologie des Drachens an und für sich zu beantworten. Zum Beispiel die, wie man den letzten noch lebenden Drachen (der sich hier im Haus versteckt, wie Matthias Schiffner behauptet) zähmen kann. Das wird hier nicht verraten, da müssen die, die gestern nicht dabei waren, schon auf die Premiere von „Der Drache, die Riesin und das dicke dreizehnte Königskind“ warten.

 

Die Teilnehmer der Drachen-Uni wissen es bereits, denn sie hatten das Privileg, zur Eröffnung ihres Studiums schon eine Szene aus dem Märchen zu sehen. Darum, und weil sie all die genannten Aktionen an diesem Abend längst bewältigt hatten, waren die Wissenschaftler auch vom König höchstpersönlich mit Drachendiplom und Drachenzahn ausgezeichnet worden.

 

Müde macht so was anscheinend nicht. Zumal die über 50 Sieben- bis Zwölfjährigen sich die Stunden von 19 bis 22 Uhr eigentlich nach Belieben (und ohne Eltern) vertreiben konnten. Die von Romy Kuhn und Ulrike Taube organisierten, von sämtlichen Mitarbeitern (vom Techniker über die Schauspieler und Dramaturgen bis zur tanzenden Verwaltungschefin) durchgeführten Angebote standen den ganzen Abend zur Verfügung. Und so wurde jede Ecke des Hauses von den Kindern bespielt, „bis der Drachenzahn wackelt“. Also, bis nach der Talkshow, in der die aus den Endproben herbeigeeilten Darsteller des Drachens, des Weißen Ritters und des Forschers die Fragen der Kinder glänzend parierten. Welche Fragen das waren und welche offen blieben, dazu mehr im nächsten blog. Nur so viel, die Talkshow verrät schon ein bisschen über die Uraufführung am 22. November. So hat sich auch die ganze Drachennacht an den Bühnen-Stationen orientiert: Eine Premierenwerkstatt der Extraklasse, mit der sich die Kinder rauf und runter, kreuz und quer, mit dem Kopf und mit den Beinen ein Theaterstück und ein Theaterhaus erobern.

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