Isolde, die Holde
4. Oktober 2008 von KritikerworkshopVon Koboldläusen, Werwurzjungen und einer kreischenden Prinzessin handelt Pamela Dürrs Stück „Die Ungeheuren und die Prinzessin vom Planeten Pipapo“.
Wie rotes Wassereis leuchten die aufeinander gestapelten Eimer. Das Schloss der Prinzessin Isolde (Elisabeth Fues) vom Planeten Pipapo. Aus dem Off hört man die Erzählerin: „Schöner als jede Vorstellung, ein anmutiger Traum in rosa Tüll“. In einem knallpinken Kleid mit ausgestopftem, langen Rock und hohem Goldkrönchen erscheint sie – die Holde.
Sie bringt sich in Positur und… gnitscht und gnatscht auffällig mit ihrem Kaugummi. Übermäßig gelangweilt und überheblich geleiert werden die drei hilfesuchenden Ungeheuren – Koboldmädchen Mytzna (Anke Stoppa), der verfluchte Prinz Larin Sebirio Jodockel Krösinius von und zu Hauerstädt-Burgenstein (Sven Reese) und Werwurz Krokoff (Lukas Kubik) – von ihrer Hoffnungsträgerin so gar nicht prinzessinnenhaft begrüßt.
„Die Ungeheuren und die Prinzessin vom Planeten Pipapo“ ist die vierte und letzte Werkstatt-Inszenierung des Autorenprojektes „Boxenstopp“ im Rahmen der 16. Werkstatt- Tage im Theater der Jungen Welt in Leipzig und wurde von diesem auch produziert. Eine märchenhafte Geschichte, geschrieben von Pamela Dürr, unter der Regie von Stephan Beer.
Die Ungeheuren begegnen sich in einem Wald aus aufgefädelten Eimern, die in einer Reihe von der Decke hängen und die Bühne diagonal teilen. Die eine Seite wird giftig grün, die andere mit einem matten Joghurtrosa angeleuchtet, so dass der rosa Dunst des Planeten Pipapo schon zu erahnen ist. Denn dort wollen sie alle hin, um sich jeder seinen größten Wunsch von der Prinzessin Isolde erfüllen zu lassen: ihre Fehler loszuwerden.
Mit einfachen Requisiten wird dem Publikum eine raffinierte Fantasiewelt eröffnet. Die Bühnenatmosphäre schafft es so, davon abzulenken, dass im Handlungsverlauf nicht immer auf alle eingangs vorgestellten Charaktereigenschaften der Figuren Rücksicht genommen wird.
Auf ihrem recht kurzen Weg zum Planeten ist Zusammenhalt gefragt. Trotz Mytznas Koboldläusen, dem ständigem Hunger des Werwurzjungen Krokoff und den Schrei-Anfällen vom Prinzen, werden sie Freunde. Mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen helfen sie sich gegenseitig auf der Reise zum Schloss der holden Isolde.
Die letzte Hürde ist der Burggraben vor dem Schloss. Denn der lange Lulatsch Krokoff kann nicht schwimmen. Die beiden anderen gelangen zügig an das andere Ufer, in dem sie schnell von einem Eimerstapel in den nächsten steigen, die jetzt das Wasser im Graben darstellen. Krokoff jedoch passt mit seinen großen Plateausohlenfüßen nicht in die herabgerasselten Eimer.
Endlich am Ende der Reise, aber noch nicht am Ziel, stehen die drei nun erwartungsvoll und eingeschüchtert vor der Prinzessin Isolde. Doch diese stellt durch ihr lautes Gekreische sehr schnell klar, dass sie nur das macht, was sie will. Es langweilt sie, dass immer alle etwas von ihr wollen. Schnippisch befiehlt sie, dass man sie für ihre Dienste zum Lachen bringe. Der vorlaute Prinz scheitert mit einem schlecht gespielten Ungeheuer, das Koboldmädchen gibt mit hängendem Kopf und resignierter Stimme gleich auf.
Nur der sonst eher passiv wirkende Krokoff zeigt auf einmal Bewegung. Denn er hat mal wieder Hunger und verliert die Geduld. Laut brüllen jagt er die Prinzessin. Schlicht und einfach. Sie ist begeistert und fängt schrill, hoch und furchtbar an zu lachen. Die beiden toben über die Bühne und hinter dem Eimerschloss verwandelt sich die holde Isolde, kurz bevor er sie erwischt, in einen Goldfisch, der mit Taucherbrille und Seifenblasen im Burggraben landet. Mit den Seifenblasen zerplatzen die Idealbilder – aber es bleiben drei Freunde, ganz ohne Zauberei.
Vera Düwel
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