Jemand Interesse? Alles schön im KiJuTheater

3. Oktober 2008 von smoe

Die Künstler im Kinder- und Jugendtheater beklagen nicht nur die Ignoranz des Feuilletons, sie wollen dort wirklich ernst genommen werden. Sie wollen das nicht nur in Bezug auf die pädagogische Funktion ihrer Arbeit sondern in Bezug auf die Kunst. Sie wollen auf den Theaterseiten der Zeitung engagierte Kritiken über ihre Stücke lesen. Das bekommen sie nicht.
Sie bekommen entweder Lobgesänge ob der leuchtenden Kinderaugen oder bloße Nacherzählungen oder gar nichts. Kein Interesse? „Lieber kritisiert als ignoriert“ lautet darum der aufmunternde Titel des Kritik-Workshops, den zwei erfahrene Journalisten mit 15 Leipziger Studenten der Theaterwissenschaft im Rahmen der Werkstatt-Tage durchführten. Wunschgemäß verfasst seit Dienstag jeder Teilnehmer zu einer der geladenen Inszenierungen eine Kritik, deren gedruckte Exemplare flott weggehen – schon weil in der Zeitung nichts steht.
In meinen Augen sind die Texte bislang toll formulierte, sehr gewissenhaft beschreibende und wieder meist lobende Zusammenfassungen des Bühnengeschehens. Aber, ich frage mich am Ende der Lektüre (fast) jedes Mal, ob das Stück wirklich gefallen hat. Wie wirken die Inszenierung, die Schauspieler, das Thema – Wie wirkt diese Stunde Kunst auf diesen einen Betrachter? Ist er gefesselt oder gelangweilt, verärgert oder hingerissen? Warum? Mir fehlt oft die eigene Meinung der Autoren.
Trauen sie sich nicht, weil sie sich nicht „kompetent genug“ fühlen und befürchten, etwas „falsch“ zu verstehen? Sind die Inszenierungen so vertrackt, dass man schon dankbar sein kann, wenn jemand überhaupt eine Struktur in Worte fassen kann? Oder ziehen sich die Autoren etwa (auch) auf die höfliche Indifferenz zurück?

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