Politik Macht Kultur? Politik macht Kultur!
2. Oktober 2008 von smoeDer Titel zur Podiumsdiskussion über den Enquete-Bericht zur Kultur in Deutschland trägt weder Ausrufe- noch Fragezeichen. Die Reihung der Subjekte deutet wohl an, dass man sich eines diffusen Zusammenhangs bewusst ist, dem man eine Richtung wünscht. Im Sinne etwa der Enquete-Empfehlung an „Bund, Länder und Kommunen, sich verstärkt für die Förderung des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland einzusetzen“.
Darüber, warum das bisher nicht ausreichend geschehe und wie die Handlungsempfehlungen konkret umzusetzen wären, stritten Politik (sächsischer Kultur-Ministerialdirigent Thomas Früh) und KiJu-Theater (ASSITEJ-Vorsitzender Wolfgang Schneider) gegen den Moderator (RBB-Journalist Peter Claus), den sie kurzerhand zum Machtzentrum erklärten.
Denn, wir haben ja Demokratie, „die Prioritäten (in den Ausschüssen, im Parlament, smoe) ändern sich über die öffentliche Erwartung“, so Früh. Und die ist abzulesen wo? Genau, in der „öffentlichen Meinung“. Asche auf unser Haupt, Journalisten! Wir versagen in unserem Auftrag, der Politik Volkes Wille zu diktieren. Besser noch („Es fehlt am öffentlichen Bewusstsein!“), wenn wir der Öffentlichkeit das Bewusstsein diktierten, damit die Politik den ablesbaren Mehrheiten hinterher entscheiden kann.
Könnten hier diverse Missverständnisse an der Macht sein? Ich habe mal gelesen (nicht in der Zeitung), dass sich hinter Schlagzeilen und Leitartikeln womöglich nur eine veröffentlichte Meinung unter (im Demokratie-Fall) mehreren verberge, die keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Meinung der Bürger zuließen.
Meine jetzt mal ganz subjektive Beobachtung ist überdies, dass unter Bürgern und Kulturleuten immer noch der vielleicht naive aber mit dem Grundgesetz durchaus übereinstimmende Wunsch existiert, in der Politik werde mit Idee, Argument und Rückgrat um Richtungen gestritten und um Mehrheiten geworben, wie ihn eine Zuhörerin („Ich vermisse die Haltung!“) und Wolfgang Schneider ausdrückten: „Wir haben den Enquete-Bericht geschrieben. Die Politik muss jetzt ihre Prioritäten nennen.“ So ist es. (Und über all das hat die vierte Macht im Staate erst mal nur, aber gefälligst, zu berichten.)
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