Kritik Macht Werkstatt?
30. September 2008 von smoeDie vergangenen Werkstatt-Tage fanden nicht nur ein positives Echo. Es gab auch Kritik. Gewisse Journalistinnen (smoe darunter) monierten, dass sie in den Vorstellungen und Gesprächen kaum Jugendliche und überhaupt keine Kinder antrafen: Ein Club ergrauter Altachtundsechziger guckt und diskutiert unter Ausschluss der Zielgruppe neue Stücke für die Jugend. Das fanden sie irgendwie unpassend.
Die Kritik schlug sowas von ein. Noch vor Wochen hörte ich zwei der Organisatoren im erhitzten Pro-und Contra: Ein Arbeitstreffen sei nun mal für den Austausch der Künstler und die fachliche Weiterentwicklung des Theaters da versus Es könne nicht angehen, dass dabei keine Kinder und Jugendliche zuschauen und mitmachen. Sogar in den Grußworten zum diesjährigen Programm schlägt das Kritikerwort noch Wellen: Man will „den konsequenten Schritt in Richtung Werkstatt von professionellen Theaterkünstlern“ gehen. – Und „nichts ist den Theaterkünstlern so wichtig wie ihr Publikum“.
Da haben wir den Salat. Oder: die 16 Werkstatt-Tage als „intensives Arbeitstreffen mit Festivalcharakter“! Ihr Programm weckt tatsächlich die Hoffnung, sie könnten das werden. Es kommen nicht nur die alten Helden sondern auch ganz junge Autoren, es werden nicht nur abends neue Stücke für Jugendliche aufwärts gezeigt, sondern auch vormittags und nachmittags Inszenierungen für Kinder erprobt. Das Stück von Pamela Dürr haben sogar Schulkinder und Theaterpädagogin zusammen mit der Autorin in Leipzig entwickelt. Quasi der Prototyp des Dream-Team Theater & Schule für die zukünftige Bildungspolitik.
Wow! Und alles wegen ein bisschen Kritik! Übrigens wird es für den Theaterjournalisten-Nachwuchs auch einen Workshop geben. Da werden erfahrene Kritiker (nota bene unter Ausschluss der Öffentlichkeit) vermutlich mit der Angst des Kritikers, was falsch zu verstehen, sowie mit gewissen Allmachtsphantasien aufräumen. Oder, Dirk Pilz?
www.tdjw.de