Centraltheater und TDJW Hand in Hand. Schööön!
26. September 2008 von maschErst leicht ignorant, dann paternal, am Ende blümchenkaffeetrutschig: “Im Centraltheater gibt man sich optimistisch, dass das TDJW milde gestimmt wird.” Den Anlass zu dieser koffeinfreien Äußerung von Jörg van der Horst, Pressesprecher centrales Schauspiel Leipzig, gibt das Stadtmagazin Kreuzer, der in seiner heute erschienenen Ausgabe nach dem Leipziger Diskokrieg, in den das Theater am Ring ja mittelbar involviert ist, nun den “Kampf um die Kinder” ausruft. Kampf der Kulturen statt Leipziger Allerlei?
Immerhin ist ganz schön was los in Leipzig. Zumindest in einem Segment, das der centrale Pressesprecher messerscharf so analysiert: “Es ist großer Bedarf an Theater für Kinder und Jugendliche da, und der muss nicht nur durch eine Institution gestillt werden. Da können die Häuser Hand in Hand gehen.”
Wundervolle Vorstellung: Ein anarchistischer Kapitalismusfreund Zielinski und ein sozialromantisch umnebelter Wehrtheaterleiter Hartmann, der sogar Theater frisch aus den Kindergärten ins Programm hieven würde, wenn er “Bedarf” erkennt, Hand in Hand durch die Grundschulen der Stadt flanierend und zweistimmig das Hohelied der Fantasie schmetternd. Die Welt scheint in der Centralsicht aus Greifvogelhorsthöhe jedenfalls kinderzimmertapetenbunt. Ob das Theater des künftig zweiten Leipziger Kinder- und Jugendtheaters am Platze denn auch so dekoriert sein wird, wird die Zukunft erweisen. Naomi Kleins Thesen von der neoliberalen Schockstrategie, die das Schauspiel an heimischem Ort – kulturell gewendet – bereits beherzigt, stehen aber zuvor auf dem Programm. Heute Abend.
Nach der van-der-Horstschen Nachmittagskamillenteeplörre freue ich mich endlich auf einen kühlen Klaren am Abend!
www.tdjw.de
Am 27. September 2008 um 22:50 Uhr
@ masch: Den “kühlen Klaren” hast du ganz augenscheinlich schon vor Verfassen deines präbutertären Pädagogen-Gewäschs geschluckt. Worauf will dein Mix aus Marxismus und Senilismus hinaus? Wieso sollten sich Hartmann und Van der Horst weit aus dem Fenster lehnen, wenn ein stadtbekannter Choleriker und Egomane wie Zielinski die TdjW-Spielpläne dazu mißbraucht, sich als BVB-Fan mit Zugang zum VIP-Bereich des Borussia-Dortmund-Stadions breit zu machen? Da finde ich die Aussagen aus dem Centraltheater nochmal so entspannt und sachlich, sogar gewürzt mit einer angebrachten Prise Ironie. Wenn du die nicht rauslesen kannst, dein Problem. Schwafel hier nicht gutmenschlich über ein Theaterprojekt namens “Spinnwerk”, dass weder du noch sonst wer beurteilen kann, ganz einfach weil es noch gar nicht in Aktion getreten ist! Urteile plärren nach Leipziger Gutsherrenart, armselig… Armseligkeit und “Nachmittagskamillenteeplörre” teil dir doch einfach mit den Unschuldslämmern Stadtpolitikern, die wie immer mit dem Finger auf die Kulturschaffenden der Stadt zeigen und dem BVB-Fan Zielinski, dem ganz einfach Angst und Bange davor ist, das irgendjemand seine Allmachtsphantasien nicht mit ihm teilt. Vergiß den “kühlen Klaren”, masch! Fang erstmal mit `nem Glas Milch an!
Am 29. September 2008 um 20:28 Uhr
Deine Empörung in allen Ehren, aber ein wenig Spott und Pfeffer sollte schon möglich sein! Die ist mir immer noch lieber – auch von dir! – als ständige political correctness und Weichgespültes. Wirklich gut gefällt mir – ganz ehrlich! – deine Wortfindung des Marxismus-Senilismus. Als Alltagsphilosophie wäre mir die aber immer noch lieber als die dogmatische ML-Richtung, die hier lange genug vorgeherrscht hat. Und dein Tipp mit der Milch – gut und schön. Aber geholfen hätts auch nicht. Mein Alkoholpegel war ohnehin zu dem Zeitpunkt bei Null.
Zwei Sachen kapier ich nicht und find ich blöd: Was das alles mit präpubertärem Pädagogengewäsch zu tun hat? Auch wenn du das sicher besser beurteilen kannst als ich. Und inwiefern ich über das Spinnwerk-Projekt herumschwafele? Dazu habe ich keinen einzigen Satz verloren. Hätte mich auch gehütet, weil du völlig Recht hast und ich auch das das garnicht beurteilen kann. Aber womit Herr van der Horst im Kreuzer zitiert wurde, das habe ich sehr wohl verstanden. Ironie hin oder her. Und dazu äußere ich mich. Hätte trotzdem kein Problem, mit ihm ein Glas trinken zu gehen. Und zu Zielinski kann man stehen, wie man will. Aber einen Chef, der sich z.B. vollkommen entspannt – und versehen mit einer vielleicht nur winzigen Prise Ironie – als Kapitalismusfreund betiteln läßt, ist auch nicht so häufig. Da sind mir erheblich unentspanntere und humorlosere Reaktionen von (auch centralen) Leipziger Theaterleitern untergekommen.
Apropos kühl und klar: Der anschließende Schockstrategie-Abend im Centraltheater war das zwar nicht , aber bewegt, klug und unterhaltsam.
Ansonsten: Viel Spaß und Erfolg beim “spinnen”.
Am 27. Oktober 2008 um 01:41 Uhr
@ maasch
Mich überrascht dein Unwissen – oder ist es gar bloße Sturheit – das Centraltheater als das zu betiteln, was es tatsächlich auch ist. Die Umbenennung hat nicht erst gestern stattgefunden und du ergötzt dich weiterhin an Neologismen wie “centrales Schauspiel Leipzig”. Das “Schauspiel Leipzig” ist in der Tat Vergangenheit. Das wissen wir alle. Warum aber kannst du es nicht auch in deinem Wortschatz zurückbenennen?
Nun zum Eigentlichen:
Ich verstehe die ganze Diskussion um das, wie du es nennst “künftige zweite Leipziger Kinder- & Jugendtheater” nicht. Vermutlich verweist du auf http://www.spinnwerk-leipzig.de ? Da darf ich dich wieder korrigieren. Es handelt sich hier nicht um ein “Kinder & Jugendtheater”. Vielmehr ein Theaterjugendclub. Man muss hier ganz deutlich differenzieren zwischen Theater FÜR Kinder und Jugendliche und Theater VON Kindern und Jugendlichen. Das Spinnwerk bietet jedem interessierten Kind/Jugendlichen alles, was sie/er brauch, um ihre/seine eigene Vorstellung von Theater in die Tat umzusetzen – oder, wenn die eigene Vorstellung noch nicht gefestigt ist, dann: um auszuprobieren. Dabei muss nicht, kann aber: ein präsentationsfähiges Ergebnis entstehen. Hierbei bietet das Spinnwerk ein theaterpädagogisches Büro, von dem aus man seine Jugendclubs organisieren kann, eine professionelle Ausstattung des Maskenbildes, einen Requisiten- & Kostümfundus, eine Licht-& Tonanlage, einen Raum zum Probieren und theaterpädagogische Hilfe, wann immer sie gewünscht ist.
Diese Form von Theater VON Kindern & Jugendlichen geht davon aus, dass die Kinder und Jugendlichen ALLES SELBER MACHEN. die Profis helfen ihnen, wenn sie gefragt werden.
Theater FÜR Kinder und Jugendliche hingegen bietet das Centraltheater nicht an, da es sich auf andere Dinge konzentriert. Dieses Feld bleibt gerne dem TdJW überlassen, das seine Arbeit sichtbar gut macht!
Betrachtet man jedoch das theaterpädagogische Angebot beider Häuser, darf man keinesfalls den Fehler begehen, sie als Konkurrenten zu verstehen. Dieser Vergleich hinkt gewaltig! Das Centraltheater bietet Vor- & Nachbereitungen von Stücken nur auf Nachfrage an und betrachtet die Korrespondenz mit Schulen/Kindertagesstätten etc. nicht als Priorität. Hauptmerkmal wird auf die Jugendlichen in ihrer Freizeit gerichtet, die von allein ins Spinnwerk kommen und Interesse zeigen.
Das TdJW bietet Jugendclubs, die von Theaterpädagogen geleitet werden. Hier leiten Erwachsene/Künstler die Jugendlichen an. Das ist nicht dasselbe wie das Konzept der ehrenamtlichen Teamer im Spinnwerk.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sehr wohl “großer Bedarf an Theater für Kinder & Jugendliche” besteht. Unterschätzen wir die heutige Jugend nicht! sicherlich nehmen diese beiden Häuser sich nicht gegenseitig ihr junges Publikum weg. Gestehen wir den Jugendlichen doch zu, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Beide Häuser haben attraktive Angebote zu unterbreiten. Und der Bedarf an Kinder & Jugendtheater kann wohl kaum genug sein!
Am 30. Oktober 2008 um 12:48 Uhr
@koträppchen
Humor hast du (dein Mail-Nickname!), in deiner Mail gehst du halt sehr ernsthaft auf einen Text ein, der bewusst spöttisch mit nem Hauch Polemik geschrieben war. Damit meine ich zuerstmal deine Alternative von Unwissenheit oder Sturheit, in der ich mich wiederfinden solle. Unwissenheit ists jedenfalls nicht. Centraltheater hab ich das Haus in der Überschrift benannt, in der zweiten Zeile auch und erst in der vierten wollte ich mal was anderes schreiben. Natürlich klingt “centrales Schauspiel Leipzig” spöttisch, soll es auch, und spielt mit der Wortbedeutung (und dem dazugehörenden Auftritt), die sich Hartmanns Crew selbst gibt (”central”), aber nennt das Theater “Schauspiel”, so wie es auch noch im Web zu finden ist. Da heißt die Seite weiterhin “schauspiel-leipzig”. Und wird zum Beispiel nicht einfach umgelenkt auf die Site “centraltheater-leipzig.de”, die es zusätzlich auch gibt, sondern die Seite heißt dann auch “www.schauspiel-leipzig.de”. Ist das nun meine Sturheit?
Aber zu dem, worum es dir selbst wirklich geht: Nein! Ich beziehe mich nicht auf http://www.spinnwerk-leipzig.de. Das habe ich auch schon in meiner Antwort auf Tina gesagt. Aber ich beziehe mich auf Herrn van der Horst, auf seine Worte im Kreuzer, auf seine “Kamillenteeplörre”, wie ich sie genannt habe, aber auch auf seine Sätze: “”Ein besonderes Augenmerk im November gilt der Premiere des Märchens ‘Von einem der auszieht das Fürchten zu lernen’ in der Regie der Martina Eitner-Archeampong. Mit ihrer Arbeit am Centraltheater soll zugleich ein neuer Stellenwert des Märchens begründet sein, und damit ein neuer Stellenwert des jungen und jüngsten Theaterpublikums. (…) Ausdruck dessen ist auch die Eröffnung des “Weißen Hauses” an der Ecke Bosestraße/Gottschedstraße am 30. November…”. Diese Sätze stammen aus einem Brief des Presseleiters an Abonnenten des Theaters. Das ist schon Kinder- und Jugendtheater, oder nicht? Es stimmt also nicht, was du schreibt, dass das Centraltheater kein Theater “FÜR” Kinder und Jugendliche anbiete, und dass es sich auf andere Arbeit konzentriere. Und das war auch schon mit den ersten öffentlichen Worten des Intendanten klar.
Unter anderem deshalb kann ich auch “des künftig zweiten Kinder- und Jugendtheaters am Platze” schreiben, auch wenn du “diese ganze Diskussion nicht verstehst”.
Für Menschen, denen Worte einiges bedeuten, ist auch eine Pikanterie am Rande der Begriff: “Weißes Haus”. Der Aufführungsort des Theaters der Jungen Welt hieß 43 Jahre lang “Weißer Saal”.
Und was das Spinnwerk und die Arbeit dort angeht: Ich stimme dir grundsätzlich zu, jedes Angebot zusätzlich für Kinder und Jugendliche ist ein gutes. Punkt. Etwas anderes sind paternale Umklammerungen bzw. Worthülsen wie “Unterschätzen wir die heutige Jugend nicht” und “Gestehen wir den Jugendlichen doch zu, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen”. Solche Sätze wirken auf mich zu leicht schmierig und haben auf mich das gefühlte Alter von 75. Na selbstverständlich ist das so. Außerdem möchte ich auf derart anonyme und belehrende Weise jedenfalls nicht in ein “wir” einbezogen werden. Da bin ich so eigen wie jeder Jugendliche.
Aber auch über das Wie, Was und Drumrum theaterpädagogischer Arbeit wäre ausführlicher zu reden. Und dass es eben das zusätzliche Geld (immerhin rund ein Fünftel des gesamten Zuschusses an das TDJW, von dem Anteil gegenüber einem Haus wie dem Theatrium mal ganz zu schweigen) ist, das Herr Engel von der Stadt nicht erhalten hat, und das Herrn Hartmann gestattet, diese Angebote in diesen (tollen) Räumen der Baumwollspinnerei zu machen. Vor solchem Hintergrund können so keimfreie Äußerungen wie “Beide Häuser haben attraktive Angebote zu machen” schnell überheblich wirken.
Am 6. November 2008 um 19:25 Uhr
Lieber Maasch,
kann es sein, dass es Ihnen bei Ihren Äußerungen vor allem um eines geht, nämlich um Stimmungsmache?! Sie zitieren aus völlig unverfänglichen Abobriefen vom Centraltheater, Sie kennen die “tollen” Räume des Spinnwerks – Sie sind nicht zufällig in irgendeiner Weise involviert? Oder eher betroffen? Ein nicht übernommener Schauspieler? Oder noch einfacher: ein Denunziant? Um eines geht es Ihnen in Ihren tendiziösen Kommentaren in diesem Forum mit Sicherheit nicht, nämlich um das Kinder- und Jugendtheater. Sie mißbrauchen dieses Thema, um a) sich selbst Luft und b) Stimmung gegen das Spinnwerk zu machen. Wenn Sie wenigstens den Anstand hätten, Ihren “internen” Kenntnissen und Anschuldigungen dadurch Profil zu geben, dass auch Sie sich hier unter Ihrem richtigen Namen äußern. So sind Ihre Einträge nur polemisch, hetzerisch. Peinlich! Das Kinder- und Jugendtheater in Leipzig braucht eines mit Sicherheit nicht: Vertreter wie Sie. Schönen Gruß aus der Südvorstadt, Torben Mockenbrock (ja, mein richtiger Name!)
Am 6. November 2008 um 19:35 Uhr
@ maasch: man, man, bei deiner wortklauberei solltest du vielleicht mal zum arzt gehen. darf man einen spielort jetzt nicht mehr weisses haus nennen, weil es schon mal nen weissen saal gab? morgen ruft noch obama an und protestiert gegen den doppelten namen. so ein müll, den du da schreibst, aber echt. VON kindern, FÜR kinder… entweder du arbeitest dich aus privaten gründen hier ab oder du hast auf deinem letzten pädagogikworkshop in der hocheiffel zuviel buttermilch geschlürft! maasch dich vom acker, alter!
Am 7. November 2008 um 16:59 Uhr
Mensch, Thorben Mockenbrock,
nein! Um Stimmungsmache gehts mir nicht. Natürlich, Sie haben Recht, ich bin involviert. masch ist die abkürzung für matthias schiffner und ich arbeite am theater der jungen welt. als masch schreibe ich – zugegegen – gerne polemisch, natürlich auch einseitig, weil man nie alles berücksichtigt. dass ich gerne spotte und polemisiere, dazu hab mich auch schon anderswo bekannt. und wenn ich dabei überziehe, nehme ich Kritik daran auch an. Ehrlich bleibe ich aber trotzdem dabei und es geht mir genauso um die Sache wie Ihnen, selbst wenn Sie das ausschließen. Meine Texte sind auch nicht feindselig gemeint.
Wo Sie Recht haben ist a), also das Luft machen. Warum auch nicht. Aber Stimmung gegen das Spinnwerk mache ich nicht und habe das auch nicht vor. Weil ich Leute, die voller Lust auf Theater und Spaß miteinander etwas zusammen tun, einfach gut finde. Unabhängig, ob im TDJW, im Spinnwerk oder in einer anderen Institution. Dass ich Äußerungen von Theatermitarbeitern des Centraltheaters als masch aufgreife, ist ja wohl nicht verwerflich und soll immer – trotz spott, ironie oder polemik – auch einen spielerischen und ernsthaften charakter behalten.
Im Übrigen war ich noch nicht im Spinnwerk, habe aber über die Räume schon häufiger etwas gehört. Und der Tenor davon ist “toll”, und in dem Sinn meine ich das auch.
ich würd mich freuen, wenn sie weiter mit all der Leidenschaft beim Spielen im Spinnwerk und sonstwo Spaß haben.
masch