so, verehrte centralisten, toi toi toi!

18. September 2008 von masch

Selten so ein verblasenes Zeug gelesen wie das von Uwe Bautz auf der Website Schauspiel-Leipzig.de (nix central!) über die Matthäus-Passion. Würg. Und da will ich gleich hin. Oh je. Dabei regte sich in mir längst die Abwehr gegen die Hartmann-Skepsis. V2erteidige die Leute, wo es geht gegenüber denjenigen, die alles abwärts gehen sehen. Und dann dieser Schlag ins Hirn, der all die frühen Kritikaster zu bestätigen scheint.

Dieser Verlautbarungsstil. “Hier ist was gilt”, ist die erste Überschrift. Neue Gewissheiten braucht das Land? Statt unterschiedlicher Perspektiven und vieler Wahrheiten? Wahrscheinlich verstehe ich nur die süffige Ironie nicht. Kann das sein, Herr Bautz?

Wenn man seinen ersten Satz liest: “Wesen des Menschen ist der religiöse Glauben” geht’s in dem Stil weiter (von fragwürdiger Substantivierung mal abgesehen). Den Inhalt halte ich für sehr falsch, aber wer fragt schon mich.

Und dann die zweite Überschrift: “Hier ist mein Kampf:” (natürlich in Großbuchstaben). Bautz’ Kampf ist, dass “Ohne Glauben keine Menschheit” sei und dass Gott “…mit den Katastrophen der jüngsten Geschichte selbst auferstanden” sei, ein “böser Gott” halt, der aus dem Alten Testament, der mit dem Schwert. Und: “Wir” hätten “Gott verlassen, nicht er uns!”

Mein Gott, dieses katholische schlechte Gewissen, dieses ewige mea culpa. Aber einen bösen Gott zu verlassen, war doch irgendwie auch sehr vorausschauend vom Menschen, oder? Nicht das Schlechteste, finde ich. Und jetzt mangelts uns am Glauben, der ja unser Wesen sei, weil wir nicht wieder hin zum (bösen) Herrn Gott wollen?

Ach herrje Herr Pastor Bautz, wenn Bach in seiner Matthäus-Passion “dramatisch-quälerisch” sei, wie sie konstatieren, dann setzen Sie dem Ganzen die Krone auf. Oder geht’s genau darum? Zumindest so ein kleines Krönchen? Wieder ein bisschen schlauer zu sein als die anderen? Antworten zu haben statt Fragen zu stellen? Herrn Hartmann habe ich anders verstanden.

Aber ich werds gleich sehen. Bin gleich zur zweiten Halbzeit im centralen Leipziger Schauspiel.

Dazu lädt mich Herr Bautz fast ernsthaft ein: “Hier ist Eure Freiheit” Ausrufezeichen Großschrift. Und hier ist “Mein Kampf” schon zuende. Und beginnt also meine, Herr Bautz duzt uns (”Eure”), Freiheit. Freiheit! Angeber. Irgendwie lachhaft. Obertöner! Ungnädig, Matthias Schiffner

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