Und dann, und dann im KBB: Von Plänen und Sitzungen

25. Mai 2008 von smoe

Als ich mittags in Susanne Mittmanns Büro komme, platze ich natürlich in eine Sitzung. Es ist zwar nur eine kleine, aber, groß oder klein, Sitzungen gibt es hier anscheinend am laufenden Band. Jetzt sitzt eine Regieassistentin am Tisch und gibt aktuelle Änderungen zum Aufbau der Kasperlstücke in der Moritzbastei und zur Umbesetzungsprobe für Nachtblind am nächsten Tag durch. Für die Nachtblindprobe klingt das etwa so: „18 bis 20 Uhr, Romero, Fues, Klemm, Wiederholung Szenen 6+8+12+16+29; 20 bis 22 Uhr, Fues, Romero, Wiederholung Szenen 19+22+31.“ Susanne Mittmann überträgt alles sowohl handschriftlich als auch im Computer und wiederholt die Einträge noch mal zur Kontrolle. Wer um alles in der Welt braucht solche detaillierten Informationen für einen einzigen Tag?

„Die Schauspieler und Bühnenarbeiter, zum Beispiel“, erklärt Susanne. „Wer heute nicht mehr ins Haus kommt, muss ja von den Änderungen im Ablauf erfahren.“ Die Leiterin des KBB hält aber auch so alles bis ins Kleinste fest und plant voraus –  in Tages-, Wochen- und Monatsplänen. „Das ist für das Funktionieren des Betriebs zwingend erforderlich.“ Die obigen Angaben gehen in den Plan für den Folgetag ein und stehen neben weiteren detaillierten Informationen zu Proben, Vorstellungen, Publikumszusammensetzung (sind etwa Rollstuhlfahrer dabei, müssen Techniker und Kassendame die Plätze vorbereiten), verantwortlichen Mitarbeitern aus den Abteilungen, Publikumsgesprächen, Umbesetzungs-, Masken- und Anprobenterminen und … Sitzungen. Um 14 Uhr steht der Tagesplan für morgen fest, wird ins interne Computersystem gespeist und auf ein Band gesprochen, das von den Mitarbeitern abgehört werden kann.

Kurz darauf ist die nächste, etwas größere, Sitzung, genannt „ASSI/KBB“, die alle Vorinformationen für die Probenplanung der kommenden ein bis vier Wochen strukturiert. Vier Regieassistenten lesen nacheinander aus den Tabellenhaufen auf ihren Knien vor, was „ihre“ Regisseure ausgeheckt haben: Probenzeiten und -räume, Besetzungen, Abteilungsverantwortliche, Erfordernisse in Technik, Bühne, Auf- und Abbau. Die Kollegen prüfen, ob das nicht mit ihren Plänen kollidiert, und Susanne Mittmann macht Alternativvorschläge, gibt Termine, die alle betreffen, weiter und hält alles in ihren Plänen fest. „Es ist enorm hilfreich, wenn man diesen längeren Zeitraum schon überblicken kann, wenn auch täglich neue Änderungen auftreten und unser Wochenplan in ein paar Tagen wieder anders aussieht“, sagt sie schmunzelnd und seufzt.

Dann kommt die Leiterin des Kassendienstes herein, um über Reservierungszahlen, Vorstellungsausfälle und Alternativstücke zu beraten. Dann kommt die Chefdramaturgin herein, um die Tagesordnungspunkte der heutigen Leitungssitzung zu besprechen. Dann eilt Susanne Mittmann in die „Intendanz/KBB“-Sitzung, in der sie mit dem Intendanten „alles, was mit dem Spielplan zu tun hat“, abklärt. Hier werden einmal wöchentlich die Zwischenstände und Eckpunkte der Planung festgeklopft, wie: Stückbesetzungen, Festivalbeiträge, Gastspiele, Dienstreisen, Urlaube, Krankmeldungen. Vieles davon hat sie im KBB anhand ihres Planungsstandes dann schon vorgeprüft, sodass der Intendant eigentlich nur entscheiden muss ;)

Und dann ist morgen die ganz große Regiesitzung. Im hellen Raum auf Etage 1 sitzen die Vertreter aller Abteilungen des Hauses zusammen mit dem Intendanten am großen Tisch und besprechen Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche (fast) all die von Susanne Mittmann geplanten Details – und werfen manchmal das ausgefeilte Zeitgerüst wieder um. Auch dafür gibt’ s im KBB zwar den Plan B, aber trotzdem geht dann das Planen wieder von vorne los.

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