Das neue Spielzeitheft ist in Verzug – aber Weihnachten steht (nicht auf dem Spiel)

18. Mai 2008 von smoe

Mich hat irritiert, als im November 2007 schon alle immer über die Premieren 2009 redeten. Wie kann man an Aufführungen im übernächsten Jahr denken, wenn die neue Spielzeit gerade erst begonnen hat und jeder vollends mit den Proben beschäftigt ist für Stücke, die morgen, nächste Woche, nächsten Monat herauskommen? Geht schlecht, meint auch Matthias Schiffner, Dramaturg und Öffentlichkeitschef, muss aber. Denn nicht nur die externen Regisseure brauchen einen Plan, wo und wann sie im nächsten und übernächsten Jahr ihr Geld verdienen, auch der Betrieb des Hauses selbst erfordert die Vorausschau: Wann sind die wichtigen Festivals, an denen man teilnehmen will, wie verteilt man das Ensemble auf die Produktionen, wann haben die gewünschten Gastkünstler Zeit und wann kann man den eigenen Saal an externe Veranstalter vermieten? Das zu planen braucht Zeit, weshalb richtig große Häuser sogar in Zehnjahreszeiträumen disponieren. Was sind dagegen schon eineinhalb Jährchen?

Außerdem ist die Spielplanung Routine. Die künstlerischen Ideen zur nächsten Saison entstehen immer parallel zu den aktuellen Premieren und die konkrete Planung wird im Dezember festgezurrt. In diesem Monat passiert zwar viel auf der Bühne, aber die Stückeproduktion hat eine kurze Verschnaufpause, so dass das Leitungsteam sich auf die Zukunft konzentrieren kann. Während also das Publikum ins Weihnachtsmärchen strömt, ist das Theater in Gedanken schon beim nächsten Weihnachtsstück; parallel zu den Premieren im Mai werden die Verträge für die nächsten Mai-Stücke geschrieben – und während er jetzt gerade das noch nicht fertige Spielzeitheft korrekturliest, denkt Matthias Schiffner schon an die Konzeption für 2009/2010.

Die Gestaltung des Spielzeitheftes ist eine der zentralen Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit. Das jährlich erscheinende Buch stellt das Personal vor, vermittelt die Grundhaltung des Hauses, erklärt die Ideen hinter den ausgewählten Stücken und berät die Erwachsenen bei der altersgerechten Buchung. Es entsteht über Monate, wieder parallel zu den aktuellen Frühjahrsevents. Wenn im Februar der Spielplan feststeht, beginnt Matthias, den Aufbau des Heftes zu planen, das Layout mit der Graphikerin abzusprechen, Anzeigenkunden zu werben, die Stückbeschreibungen von Regisseuren und Dramaturgen zu sammeln und stilistisch zu bearbeiten sowie eigene Beiträge zu Projekten zu schreiben. In der Redaktionssitzung werden die Heftkonzeption und die Texte diskutiert, dann kommt die Korrekturphase, das Prüfen der Kostenvoranschläge von Druckereien und das endgültige Zusammenstellen aller Beiträge.

Damit ist Matthias in diesem Jahr spät dran. Unvorhergesehenes wie Krankheiten, Umbesetzungen, Theaterreisen von Intendant und Dramaturgen, Terminüberschneidungen – es ist einfach wirklich viel los – führen dazu, dass Matthias nach dem eigentlichen Abgabetermin für die Druckerei (Ende April) noch in der Korrekturphase sitzt. Aber keine Panik, das neue Spielzeitheft erscheint trotzdem rechtzeitig vor den Sommerferien. Damit die Pädagogen ihre Theaterbesuche im kommenden Schuljahr schon mal planen können…
Ach, und das Weihnachtsprogramm steht natürlich längst. Dank Susanne Mittmann, die im Künstlerischen Betriebsbüro diese zahllosen Theatertermine organisiert und jetzt bereits mit den Adventsreservierungen jongliert. Im Mai. Im nächsten Blog frage ich sie, wie man bei diesem Wetter an Weihnachten denken kann.

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